33,7 Mio. deutsche Briefkästen ohne “Keine Werbung”-Aufkleber

So viele Haushalte haben laut ZMG Studie noch keinen Aufkleber, der vor unerwünschter Werbung schützen soll. Je nach Stadt gibt es da ganz unterschiedliche Quoten. Auffällig ist, dass Städte und Ballungsgebiete eine hohe Werbeverweigerer-Quote aufweisen – ländliche dagegen eine niedrigere. So hat beispielsweise Stuttgart eine 54,5%ige Werbeverweigerer-Quote während in Cloppenburg nur 3,4% der Haushalte einen “Keine Werbung”-Aufkleber angebracht haben – oder anderweitig aus dem Direkt-Marketing-Werbepool ausgeschlossen sind. Doch versuchen wir zu verstehen, was diese Zahlen hinsichtlich des Abfalls bedeuten.

90% der Werbung wandert ungelesen in den Papiermüll

Die Haushalte, die keinen “Keine Werbung”-Aufkleber an ihren Briefkästen angebracht haben, sehen sich der täglichen Werbeflut ausgesetzt. Für die Werbung wurden Bäume gefällt, um die Welt geschifft, Papier mit viel Wasserverbrauch produziert, ein Entwurf erstellt, Menschen bezahlt, Papier gedruckt, verteilt, ausgetragen… nur um von nahezu 90% der Haushalte direkt in den Papierkorb befördert zu werden. So entstehen pro Monat und pro deutschem Einwohner durchschnittlich 2 kg Papiermüll, der ungenutzt im Abfall landet.

36 kg Papiermüll könnten sofort von jedem jährlich eingespart werden

251 kg Papiermüll pro Jahr produziert jeder Deutsche durchschnittlich. Rund 47% entfallen davon auf grafische Produkte wie Zeitschriften und Werbesendungen. Das Digitalisierungs-Unternehmen www.getcaya.com hat laut Berichten einiger Medien ausgerechnet, dass etwa 46 kg unerwünschte Werbung jährlich in den deutschen Briefkästen landen. Nehmen wir die vorsichtigen Zahlen, dass nur 80% der Werbesendungen ungelesen in den Müll wandern (bei einer 20%igen Öffnungsrate würden in jeder Marketingabteilung die Korken knallen!), kommen wir auf etwa 36 kg Papiermüll pro Haushalt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Deutschen mehr Papiermüll produzieren als Afrika und Süd-Amerika zusammen. Bevor wir euch sagen, wie ihr das Problem ganz einfach beseitigen könnt, ist es vielleicht noch wichtig, die Auswirkungen in Gänze zu betrachten.

1,2 Mrd. Kilogramm Papiermüll pro Jahr landen ungelesen im Müll

Die letzte Rechnung lässt sich ganz einfach anstellen. Nehmen wir die konservativ errechneten 36 kg Werbesendungen pro deutschem Haushalt im Jahr, die ungelesen in den Müll wandern und multiplizieren sie mit den 33,7 Mio. Haushalten, die keine Werbeverweigerer sind. Du brauchst nicht nachzurechnen, das habe ich für bereits gemacht: 1,2 Mrd. kg. Oder noch deutlicher ausgedrückt: 1.213.200.000 kg bedrucktes Papier, das jährlich ungelesen in den Müll wandert. Versuch es mal dir bildlich vorzustellen.

Für die Vermeidung von Müll wird schon vereinzelt politisch eingesetzt, wie am Beispiel der Coffee-to-go-Becher zu sehen ist. Wie diese Rechnung jedoch zeigt, könnte man an einer viel effizienteren Stelle ansetzen.

1,2 Mrd kg – Das ist die 31-fache Menge an Coffee-to-Go Bechern, die jährlich in Deutschland verbraucht werden. Laut​ Deutscher Umwelthilfe​ werden jährlich 31.000 Tonnen Coffee-to-Go Becher verbraucht – die 9.000 Tonnen Plastikbecher lassen wir hier mal außen vor.

Es wird noch “besser”:
Das Papier muss ja auch noch produziert werden.

CO2-Verbrauch wie 840.000 PKWs jähr­lich

Wenn man hochrechnet, kommen beeindruckende Zahlen dabei heraus. So wird für die Produktion der 1,2 Mrd. kg Papier, die jährlich ungelesen in den Müll wandern, so viel CO2 ausgestoßen, wie von 840.000 PKWs jährlich. Es kommt aber noch schlimmer:

So viel Ressourcen für 1t Papier, wie für 1t Stahl

Darüber hinaus entsteht 1t CO2 und man benötigt 10.000 Liter Wasser, um 1t Papier zu produzieren. Zum Vergleich: für die Produktion von 1t Stahl werden in etwa gleich viele Ressourcen benötigt. In Anbetracht der Tatsache, dass in Deutschland jährlich 1,2 Mrd. kg Papier einfach im Müll landen, darfst du gerne mal 5 Minuten investieren, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Du wirst überrascht sein, wie einfach das geht. 😉

Faserimport für Papierproduktion bedroht Urwaldbestände

Rund 80% der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der umweltschädlichste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert. Derzeit stammen 40% des in Deutschland eingesetzten Zellstoffs und fertigen Papiers aus Skandinavien. Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland, wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder gerodet werden. 13% seiner Primärfasern bezieht Deutschland aus Kanada, auch hier sind Urwälder durch Rodung bedroht. Neben den nordischen sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen, da bspw. Deutschland fast ein Viertel des Zellstoffs aus Brasilien und geringere Mengen aus Chile, Uruguay und Indonesien importiert. In diesen Ländern schwindet der Urwaldbestand weiterhin in dramatischem Ausmaß. Zu großen Teilen wird das Holz illegal eingeschlagen. Unsere hohe Zellstoffnachfrage trägt maßgeblich zur weltweiten Waldzerstörung bei.

Sinkendes Interesse an Briefkasten-Prospekten

Der Anteil derer, die seltener als etwa 1x monatlich Briefkasten-Prospekte lesen, steigt: von 20 Mio Personen (2014) auf 26,4 Mio Personen (2017). Eigentlich auch logisch. Beziehen doch viele Menschen ihre Informationen rein digital. Es gibt also genügend Gründe, der Papierflut ein Ende zu setzen. Kümmere dich am besten gleich darum!

2886 Tonnen Plastik durch die Deutsche Post

“Plastik?” werdet ihr euch jetzt fragen! Zurecht! Denn das Prospekt “Einkauf Aktuell”, welches eigenen Angaben nach jede Woche an bis zu 20,7 Mio. Haushalte ausgeteilt wird, ist mit einer Plastikfolie umzogen. Wie die Initiative “Letzte Werbung” ausgerechnet hat, wiegt eine Folie 3g. Auf das Jahr und die Haushalte hochgerechnet, kommt man auf sagenhafte 2886 Tonnen Plastik. Nur für diese eine Verpackung.


Also bitte bastle dir einen Sticker, druck ihn aus oder bestell sie!!! Jetzt!

Quellen: Cleanup Network, Letzte Werbung